Aktuelle Zeit: 17. November 2019, 05:28


Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 37 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 16. Mai 2006, 21:14 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
Die hab ich auch mal vor einiger Zeit angefangen^^

---

Prolog

„Faustus! Sieh mich an und höre auf das, was ich dir zu sagen habe!“
Marcus Stimme hüllte mich betörend ein. Ich konnte ihr nicht länger standhalten und blickte ihn an. Tief in seine Augen.
„Faustus,“ wisperte Marcus wieder, „nicht Sarafan ist unser Feind, sondern Kain. Dieser Möchtegernherrscher! Glaubst du wirklich, er würde seine Macht mit uns teilen, sobald Nosgoth ihm gehört?“
„Marcus, ich…“
„Pscht mein Freund.“, eine Hand legte sich sanft auf meine Wange, während der Blick aus seinen Augen immer tiefer in die meinen drang, „Ich weiß, was du sagen willst. Du vertraust Kain, so wie du denkst, dass er dir vertraut. Doch dem ist nicht so. Wir sind nichts weiter als seine Marionetten in seinem Spiel. Sobald er unser nicht mehr bedarf, wird er uns vernichten. Wird dich vernichten! Aber Lord Sarafan wird dies nicht tun. Er wird seine Macht mit uns teilen. Steh ihm zur Seite, so wie Sebastian und ich es tun, nur so kannst du sicher sein. Sicher vor Kain, sicher vor dem Tod. Wirst du ihm dienen?“
„Ja, ich werde ihm dienen.“, stieß ich hervor.
„Wem wirst du dienen?“, erklang hinter mir eine tiefe, bedrohliche Stimme und ich wand mich langsam zu demjenigen dem sie gehörte um.
„Euch! Lord Sarafan!“

Rückkehr

Schatten – keine Schmerzen mehr – befreit von allen Qualen. Erlöst von dem Verrat. Meinem Verrat an Kain. Er war es, den ich töten wollte, doch letztendlich ging er in unserem Kampf als Sieger hervor. Er hat mir den Tod gebracht, der für ihn bestimmt gewesen war. Und so sterbe ich nun und verlasse jene Welt, die ich zusammen mit Lord Sarafan, Sebastian und Marcus beherrschen wollte.
Wie lange es wohl noch dauern wird, bis mir der kalte Schatten vollends die Sinne raubt?
Seltsam, sonst war Kälte etwas, das ich kaum spürte. Und mein Körper schmerzte. Doch fühlte ich auch, dass meine Wunden heilten.
Sie heilten? Urplötzlich durchströmte mich ein Gefühl, das die Furcht vor dem Tod vertrieb. Ein Gefühl unbeschreiblicher Freude, denn ich starb nicht. Nein, das Leben kehrte in meinen durch Kain geschundenen Körper zurück. Erleichtert öffnete ich die Augen und realisierte, wo ich mich befand. Noch immer lag ich auf dem Boden des Kesselraums, wo der Entscheidungskampf zwischen mir und Kain stattgefunden hatte und – ich war nicht allein.
„Umah!“, brach es erstaunt aus mir heraus und ich blickte die Vampirin, die neben mir kniete ungläubig an, „Was machst du hier?“, fragte ich weiter und mir war klar, das sie als Mitglied der Cabal, einem Geheimbund der Vampire, der Verräter auslöschte, ein leichtes Spiel hatte nun zu Ende zu bringen, was Kain begonnen hatte, denn ich war noch zu schwach, um mich wehren zu können. Sie richtete sich auf.
“Dir helfen.“ sagte sie dabei und blickte zur Seite. Ich folgte ihrem Blick und konnte so die Gestalt sehen, die auf dem Boden lag und die eine tiefe Bewusstlosigkeit umgab. Ein Serafan.

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 16. Mai 2006, 21:15 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
„Er ist für dich.“, sagte Umah jetzt, sprang zu ihm hinüber, packte ihn an den Schultern und zerrte ihn zu mir, „Er hat doch tatsächlich geglaubt, mich erwischen zu können. Nun, ich war schneller.“ Sie lachte und ich zögerte nicht länger, beugte mich über den Mann und schlug meine Zähne in seinen Hals. Ein leichtes Zittern durchfuhr seinen Körper, das verebbte als er starb.
Gestärkt durch das frische Blut fühlte ich mich gleich um vieles besser und sogar im Stande aufzustehen.
“Wie hast du das gemeint, das du mir helfen willst?“, fragte ich Umah jetzt, „Wobei?“
Sie lächelte mich an: „Kannst du dir das nicht denken?“
Ich schüttelte den Kopf, doch dann kam mir ein Gedanke: „Etwa Kain zu töten?“
Meine Frage ließ sie laut auflachen: „Kain? Oh nein Faustus. Nicht Kain, wenn dann Lord Sarafan. Doch du hast falsch gedacht, denn meine Hilfe besteht darin, dir klarzumachen, auf welcher Seite zu stehen für dich das richtige ist.“
“Dummes Ding, glaubst du im Ernst, das ich mich den Cabal anschließen würde?“, fuhr ich sie an, „Niemals!“
Wieder lachte sie: „Und glaubst du, das dich dein Lord mit offenen Armen empfangen wird? Du hast versagt Faustus und…“, sie machte eine kurze Pause, „…auf dir liegt kein Bann mehr.“
Ich wurde nachdenklich. Mit dem was sie da gesagte hatte, hatte sie recht, denn Sarafan mochte keine Versager und machte kurzen Prozeß mit ihnen. Und das sehr gerne mit dem SoulReaver, Kains Waffe, die er ihm im Kampf abgenommen hatte. Und sie hatte auch recht, was den Bann betraf, mit dem mich Marcus vor vielen Jahren belegt hatte und der mich damit zum Verräter an Kain werden ließ. Ich hatte gespürt, wie dieser schreckliche Fluch von mir wich, als ich dem Tode nahe war und wieder bei klarem Verstand hatte ich Kain gebeten, mir zu verzeihen. Doch dieser hatte nur geknurrt „Niemals“ und dann zugeschlagen.
„Woher weißt du das mit dem Bann?“, fragte ich sie.
„Vorador.“, sagte sie nur, mehr nicht, was bedeutete, wenn ich mehr wissen wollte, musste ich ihn fragen. Und er war es mit Sicherheit auch gewesen, der Umah auf mein Fährte geschickt hatte. Auch das würde ich nur von ihm erfahren. Doch das hieß für mich, die Cabal aufzusuchen und plötzlich spürte ich Furcht. Furcht davor jenen unter die Augen zu treten, von denen ich in all den Jahren meiner Treue zu Sarafan unzählig viele gejagt und getötet hatte. Nein, dort konnte ich nicht hin, aber ich konnte auch nicht zurück in die Festung.
Umah schien meine Gedanken gelesen zu haben, denn sacht legte sich ihre Hand auf meine Schulter und sie flüsterte: „Sei unbesorgt. Bei uns bist du in Sicherheit. Schließ dich uns an und kämpfe mit uns gegen den wahren Feind.“
„Nein,“ ich schüttelte ihre Hand ab, „ich kann es nicht. Lieber schlage ich mich alleine durch.“
Sie seufzte: „Es ist deine Entscheidung. Aber vielleicht denkst du noch einmal drüber nach.“, sie wand sich um, schaute noch einmal zu mir zurück, „Aber sei dir gewiß, wenn du Hilfe brauchst, die Cabal ist für dich da.“, dann tat sie einen Sprung und war einen Augenblick später, durch einen offenen Gang, der nach draußen führte, verschwunden. Auch ich setzte zum Sprung an, in der Absicht ihr nach draußen zu folgen, doch ich versagte kläglich. Es war lediglich ein minimaler menschlicher Hüpfer und verwirrt schüttelte ich den Kopf. Noch einmal versuchte ich es, wieder ohne Erfolg, aber dafür versagten mir plötzlich die Beine und ich stürzte nieder. Fassungslos blieb ich einen Moment liegen, dann ging ich auf die Knie, stützte mich mit den Händen ab und schüttelte den Kopf. Was war nur los mit mir? War ich noch zu schwach?
“Kain hat dich deiner dunklen Gabe beraubt, als der Schatten des Todes nach dir griff.“
Umah! Sie war zurückgekehrt.
„Meiner Gabe beraubt, was soll ich jetzt nur tun?“, flüsterte ich tief getroffen und stand langsam auf.
„Komm mit mir Faustus, bitte.“, forderte Umah mich freundlich auf, „Vorador wird dir helfen können.“
Ich wich ihrem Blick aus, den sie fest auf mich gerichtet hatte und dachte noch einmal über ihre Worte nach. Dann nickte ich.

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 16. Mai 2006, 21:16 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
Wir waren ein gutes Stück nebeneinander hergelaufen, als wir eine Gasse erreichten, die mir sehr bekannt vorkam und als wir über den ausbesserungswürdigen Platz liefen, der umgeben war von ebenfalls baufälligen Gebäuden, erinnerte ich mich. Hierhin war ich damals, einige Wochen nach Kains Fall, einem Vampir gefolgt, dessen Fähigkeiten mich verärgert und doch zugleich erstaunt hatten. Fähigkeiten mit denen er mich bezwang. Doch er tötete mich nicht, schwor mir aber, dies bei einem weiteren Zusammentreffen mit ihm nachzuholen. Bisher war ich ihm nicht wieder begegnet, aber ich wusste, dass er ebenfalls zu den Cabal gehörte und er würde mit Sicherheit auch dort sein. Und in meinem jetzigen Zustand würde es ihm keine besonders große Mühe bereiten, seinen Worten Taten folgen zu lassen.
Ich stoppte meinen Lauf und auch Umah blieb stehen.
„Was ist?“
„Umah, es ist doch keine gute Idee mit dir mitzukommen.“
„Warum nicht?“, kam es erstaunt von ihr.
„Weil… weil die Cabal...“, ich hielt kurz inne, „Ich kann es nun mal nicht.“
„Faustus, wovor fürchtest du dich?“, fragte sie leise und legte sacht ihren Arm um mich.
„Vor nichts.“, log ich und wusste gleich darauf, dass sie diese Lüge durchschaute.
„Komm.“, sagte sie, nahm mich an die Hand und zog mich mit sich, „Dir wird kein Leid geschehen, das schwöre ich dir. Du bist bei uns in Sicherheit.“
Obwohl mich ihre Worte nicht so ganz überzeugen wollten, gab ich doch nach und ging mit ihr weiter.
Irgendwann erreichten wir ein Gebäude, das schon bessere Zeiten gesehen hatte und sie wies zu einem aufgetürmten Steinhaufen. Als wir näher traten konnte ich eine Treppe entdecken, deren Stufen in die Tiefe führten. Umah ging voran und ich folgte ihr. Am Ende der Treppe wurde eine Tür sichtbar, die sie öffnete, als wir diese erreicht hatten und wies hinein: „Hier entlang der Herr. Noch ein kleines Stück und wir sind da.“
Ich ging an ihr vorbei in einen dunklen Gang hinein, hörte dabei wie sie die Tür wieder schloß und ihre Schritte, als sie mir nachkam. Rasch hatte sie mich danach eingeholt und ging nun wieder voraus. Eine weitere Treppe folgte, die noch weiter in die Tiefe führte und ebenfalls an einer Tür endete. Wir durchquerten sie und gelangten in einen weiteren Gang. Hin und wieder bemerkte ich, wie auf unserem Weg ihre linke Hand an der Wand entlang streifte, dem immer wieder ein leises klackendes Geräusch folgte, und ich kam zu dem Entschluss, das es sich um Fallen handelte, die sie außer Funktion setzte. Schließlich erreichten wir eine hohe metallene Flügeltür, neben der sie an der Wand ebenfalls einige Stellen berührte, und mich, nachdem sie sie geöffnet hatte, wieder anwies voranzugehen. Diesmal war der Gang, den ich betrat, mit Fackeln ausgelegt, die vereinzelt an Säulen befestigt waren, die sich, einen Bogen beschreibend, von einer Seite zur anderen an der hohen Decke trafen und diesen ausleuchteten. Es war ein angenehmes Licht, im Gegensatz zu dem Flüstern der Vampire, die sich dort, versteckt in den Schatten, aufhielten.
„Mörder“, flüsterten sie und, „Verräter. Was hat er hier zu suchen? Man sollte ihm auf der Stelle den Garaus machen…“
„Ich bin hier wirklich in Sicherheit?“, fragte ich Umah, die jetzt zu mir trat und ärgerliche Blicke in die Richtung warf, aus der das Flüstern erklang, das daraufhin verstummte. Dann blickte sie mich wieder an.
„Nun ja, nicht alle waren mit Voradors Vorschlag einverstanden, dich hierher zu holen.“, gab sie zu, während wir eine weitere große Tür erreichten, „Ehrlich gesagt“, sie legte ihre Hand auf die Klinke, „war eigentlich nur ich dafür…“
„Was?“, fassungslos blickte ich sie an, „Verdammt Umah, sie werden mich zerfleischen…“
„Nein, das werden sie nicht.“, widersprach sie mir und während sie die Klinke niederdrückte war ich mir sicher, sie noch flüstern zu hören, „Hoffe ich.“ Dann öffnete sie die Tür, schob mich in den dahinter liegenden Raum hinein und - verschwand.
„Umah?“, flüsterte ich nervös, aber von der Vampirin war weder etwas zu hören, noch zu sehen, und dann - dann fiel die Tür hinter mir krachend ins Schloß. Schlagartig richteten sich die Augen aller im Raum befindlichen Vampire auf mich und ich wünschte mich zurück. Zurück in den Kesselraum und tot. Tot und damit befreit von all dem Verrat, den ich einst begangen hatte.

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 16. Mai 2006, 23:15 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
„Faustus, der Verräter, der Mörder.“, ging es raunend von den fünf Vampiren aus, die ein Stück entfernt links von mir standen, während sich hinter mir die Tür wieder öffnete und die vier Vampirinnen, die sich vorher im Gang aufgehalten hatten, an mir vorbei schlichen. „Mörder.“, ließen sie dabei vernehmen und gesellten sich zu den fünf anderen. Ich schluckte schwer und starrte gebannt geradeaus, zu Vorador, der in seinem mit goldenem Schnörkel verziertem Thronsessel saß und mich, wie ich erleichtert feststellte, mit einem freudigen Blick bedachte. Im Gegensatz dazu war der Blick des Vampirs, der rechts neben im stand und fest das Heft seines Schwertes umfasste, voller Kälte und Bedrohlichkeit.
„Komm zu mir Faustus.“, gebot mir Vorador nun durch einen Wink seiner Klaue und zögerlich tat ich einen Schritt nach vorn. Doch als ich ein Geräusch vernahm, das verkündete, dass ein Schwert aus seiner Halterung gezogen wird, blieb ich abrupt stehen und schüttelte den Kopf: „Ich denke, es ist besser, wenn ich wieder gehe.“
„Ja, das solltest du.“, knurrte der Vampir neben Vorador und ich sah bereits die Klinge seines Schwertes in meiner Brust stecken.
„Hör auf Randir!“, ermahnte Vorador ihn ablickend.
‚Ja, bitte hör auf.’, dachte ich, ‚Ich werde auch gleich wieder von hier verschwinden. Versprochen.’
„Warum sollte ich?“, hielt Randir wütend entgegen, „Er ist ein Verräter und hat viele von uns auf dem Gewissen. Er hat den Tod verdient.“
„Ja, genau, das hat er!“, stimmten ihm euphorisch die restlichen Vampire im Raum zu, „Töte ihn!“
“Genug jetzt!“, rief Vorador aufgebracht und erhob sich. Die Vampire verstummten und der alte Vampir wies zu einer weiteren Tür des Raumes: „Geht jetzt und lasst uns allein!“ Sie gehorchten und einer nach dem anderen verließ den Raum. Abgesehen von Randir, der weiterhin an seinem Platz stehen blieb und mich zornig anblickte.
‚Falscher Freund.’, drang sein wütendes Flüstern in meine Gedanken und ich schluckte den Kloß hinunter, der sich währenddessen in meinem Hals gebildet hatte.
„Tu dein Schwert fort.“, wies Vorador Randir an, was dieser recht widerwillig tat, wie ich erkennen konnte, dann wandte er sich wieder an mich, „Ich freue mich, dass du Umahs Aufforderung nachgekommen bist, sie hierher zu begleiten und heiße dich hiermit im Heiligtum der Cabal herzlich willkommen.“
Sagte er gerade „Herzlich Willkommen“?
„Du beliebst zu scherzen, oder?“, fragte ich vorsichtig und war mir sicher damit auch Randirs Gedanken ausgesprochen zu haben.
„Nein mein Kind, ich scherze nicht.“, widersprach er und trat jetzt auf mich zu.
Mein Kind – wie lange schon hatte ich diese Worte nicht mehr gehört. Sie rüttelten Erinnerungen längst vergangener Tage in mir wach und machten mir gleichzeitig meinen nie mehr gut zu machenden Verrat an meinen Brüdern und Schwestern noch bewusster.
Tränen sammelten sich in meinen Augen, flossen mir die Wangen hinab und ich spürte, wie meine Beine nachzugeben drohten. Doch Vorador hielt mich und ließ nicht zu, das ich fiel.
„Es tut mir so leid.“, flüsterte ich und grub mein Gesicht an seine Brust, „So unsagbar leid. Ich wollte das alles nicht…“
„Sch, ich weiß, mein Kind, ich weiß.“, entgegnete er mir ebenfalls leise und strich mir mit seiner Klaue sacht über den Kopf.

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 2. Juni 2006, 00:38 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
Stille lag zwischen mir und dem alten Vampir. Abgesehen von dem leisen Schluchzen, das ich nicht zu unterdrücken vermochte, und das meine Erinnerung begleitete. Die Erinnerung an jenen Tag, der mein Leben von Grund auf veränderte. Jene Nacht, in der ich Vorador zum ersten Mal begegnet war. Ich war damals dem Tod geweiht, durchbohrt von den Pfeilen der Räuber, die mich auf meinem Heimritt durch den Uschtenheimer Wald überfallen hatten. Noch Stunden zuvor hatte mich meine junge Frau, die ich bald nach Meridian holen wollte, angefleht, erst am Morgen abzureisen, doch ich erhörte ihr Flehen nicht, denn ich war mir sicher, dass mir, einem erfahrenen Schwertkämpfer, nichts geschehen würde. Welch ein Irrtum! Und so lag ich einige Zeit später auf dem feuchten Waldboden, wissend, dass ich Elena nie wieder sehen würde und auch nicht unser Kind, mein Kind, das sie unter ihrem Herzen trug. Neben mir lag mein Pferd, ebenfalls von Pfeilen durchbohrt, und obwohl ich wusste, dass ich selbst bald sterben würde, trauerte ich mehr ob des Verlustes meines einstigen treuen Begleiters, als um meinetwillen.
„Sie nahmen nicht nur dein Gold, sondern auch dein Leben.“, tönte mir plötzlich eine leise Stimme entgegen, und der Schatten Voradors fiel über mich. Entsetzt und nach Atem ringend blickte ich ihn an.
„Ich kann es dir wiedergeben.“, sprach er weiter und beugte sich über mich. „Willst du leben?“
Mein Entsetzen wandelte sich in Überraschung, denn er war nicht gekommen, um mein Sterben zu beschleunigen, sondern, um mich zu retten. Doch um welchen Preis? Ich wusste, dass ich nur überleben konnte, wenn ich wurde wie er, und diese Vorstellung ließ mich schaudern. Dennoch, ich wollte leben, und in dem Augenblick, als ich die Kälte spürte, die nach meinem Herzen griff, stieß ich ein heiseres „Ja“ hervor. Dann schwanden mir die Sinne, und als ich wieder zu mir kam, war ich zu dem geworden, was ich jetzt bin.
‚Du hättest dir besser den Tod gewünscht...’
Erschrocken und überrascht zugleich, löste ich mich aus Voradors tröstender Umarmung und blickte über seine linke Schulter hinweg zu Randir, der, die Arme vor der Brust verschränkt, lässig am Thronsessel gelehnt stand und meinen erstaunten Blick hämisch grinsend erwiderte.
Ich rückte von Vorador ab und tat einige Schritte auf Randir zu, dessen rechte Hand sich in diesem Moment um den Griff seines Schwertes legte und mir damit gebot, ihm ja nicht zu nahe zu kommen. Ich verstand seine Warnung und blieb, meines Erachtens nach, in angemessenem Abstand vor ihm stehen. Skeptisch musterte ich von meinem Standort aus den Vampir, der um vieles jünger war als ich, und hob an ihn zu fragen, seit wann er die Gedanken anderer lesen könne, als er mir darauf bereits eine Gegenfrage stellte.
„Was denkst du, nützt es dir, wenn du es weißt?“
„Wohl nichts.“, entgegnete ich kopfschüttelnd, überlegte kurz und fügte leicht verärgert hinzu, „Aber wenn du meine Gedanken gelesen hast, seit ich den Saal betreten habe, warum dann nicht auch jene, die dir versichern, dass ich frei von allem Verrat bin, und dass ich es ehrlich meine...“
„Weil er bis jetzt nicht danach gesucht hat.“, unterbrach mich Vorador und schritt an mir vorbei zum Thronsessel. Dort stellte er sich neben Randir und legte ihm die Klaue auf die Schulter. „So ist es doch, nicht wahr?“

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 2. Juni 2006, 00:39 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
Statt darauf zu antworten schloss Randir nur die Augen und drehte den Kopf bei Seite. „Aber das, wonach er wirklich gesucht hat, wird er nicht finden,“, sprach Vorador weiter und schaute mich wieder an, „denn seit dem Augenblick deiner Rückkehr ins Leben sind die dunklen Gedanken, die dich einst beherrschten und von Marcus gesteuert worden, nicht mehr existent. Und das,“ er ergriff Randirs Hand, die immer noch den Griff des Schwertes fest umklammert hielt und richtete seinen Blick darauf, „wird auch er letzten Endes begreifen.“
„Nein, das kann ich nicht.“, flüsterte Randir.
„Du willst es nicht.“, setzte Vorador in ernstem Ton dagegen, was Randir zustimmend nicken und knurrend erwidern ließ:. „Er hat mich betrogen und belogen und wollte mich auf die Seite des Feindes ziehen. Ich hatte ihm vertraut.“, unsere Blicke trafen sich, "Er hatte dir vertraut...“
Fragend blickte ich ihn an.
„Magnus!“, schleuderte er mir wütend den Namen jenes Vampirs entgegen, der durch meine Schuld in Lord Sarafans Hände gefallen und nie mehr aus diesen entkommen war. Die Erinnerung an meine damalige Tat krampfte mir den Magen zusammen und ich war versucht, mich dem Schmerz hinzugeben und mich zusammenzukrümmen. Doch ich hielt ihm stand, ebenso wie Randirs anklagendem Blick, mit dem dieser mich bedachte.
„Du erinnerst dich?“, wollte er wissen und ich nickte leicht.
„Wenn ich könnte, würde ich es wieder rückgängig machen.“, flüsterte ich. „Alles würde ich rückgängig machen…“
„Das Schicksal hatte es so vorgesehen.“ warf Vorador ein und nahm wieder auf seinem Thronsessel Platz. „Es leitet uns und bestimmt damit unseren weiteren Weg. Diesen zu verlassen, und das Schicksal somit in andere Bahnen zu lenken, liegt nicht in unserer Macht.“
„Ach ja?“, lachte Randir und grinste den alten Vampir an. „Wenn dem so ist, warum bist du dann noch hier?“
Verwundert blickte ich von einem zum anderen und zermarterte mir den Kopf, was Randir wohl damit gemeint haben könnte. Etwa, das Vorador eigentlich tot sein müsste? Richtig tot? Aber, kann so ein mächtiger Vampir, wie er es ist, überhaupt sterben?
„Ja.“, nickte Vorador mir zu. „Aber auch wenn Kain es vollbracht hatte, mein eigentliches Schicksal in eine andere Richtung zu lenken, so wird es mich doch irgendwann ereilen und wieder dahin zurückführen, wie es von diesem bereits vor etlichen Jahren vorgesehen war.“
Kain? Schicksal? Andere Richtung?
Ich verstand gar nichts mehr und fasste mir an den Kopf, um den dumpfen Schmerz zu vertreiben, der sich plötzlich einstellte.
„Es ist eine etwas längere Geschichte, die bisher nur Wenige kennen.“, erklärte mir der alte Vampir, und mit Wenige meinte er wohl sich selbst, einschließlich Randir, dann wies er mit einer Kopfbewegung hinter mich, wo sich, wie ich vorher erfasst hatte, der Haupteingang zum Saal befand und fuhr fort: „Doch momentan ist keine Zeit dafür, sie dir zu offenbaren. Kain wird gleich hier sein.“
Ich schrak zusammen, blickte nervös auf die kleine geschlossene Tür zu meiner Rechten, durch die ich zuvor hereingekommen war, und überlegte, ob ich durch diese noch rechtzeitig aus dem Saal fliehen konnte, bevor der eben Erwähnte diesen betrat.
„Du wirst nicht alleine gehen, Faustus.“, unterbrach Vorador meine Überlegung. „Randir wird dich begleiten.“
„Was?“, brach es gleichzeitig fassungslos aus mir und Randir heraus.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“, wollte Randir von dem alten Vampir wissen, und es war ihm anzusehen, dass er über dessen Anweisung nicht sonderlich erfreut war, aber mir ging es da auch nicht anders. „Du verlangst doch nicht wirklich von mir, dass ich mit diesem… diesem…“
„Tu mir das bitte nicht an.“, warf ich bittend ein, „Ansonsten kann ich auch gleich hier bleiben und mich Kain stellen...“
„Genug jetzt!“, brauste der alte Vampir jäh auf, erhob sich von seinem Platz und wies mit ausgestreckter Klaue bestimmend zum Seiteneingang. „Keine Widerrede mehr! Ihr zwei werdet sofort und gemeinsam den Saal durch diese Tür verlassen, und ihr werdet vor Anbruch des neuen Tages auch gemeinsam hierher zurückkehren!“
Damit wies er noch einmal rigoros zur Tür. Nachdenklich warf ich einen Blick zu Randir, der diesem mit einem leisen verächtlichen Schnaufen auswich und Vorador zunickte.
„Wie du es wünschst.“, sagte er dabei, was sehr lieblos klang, und schritt anschließend, mit eisiger Miene, an mir vorbei auf die Tür zu. Kurz warf ich noch einen zweifelnden Blick zu Vorador, dann lief ich Randir hinterher, der bereits durch die Tür verschwunden war.

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 2. Juni 2006, 00:42 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
Schweigend folgte ich Randir, der ebenso schweigsam vorauslief und dabei kein einziges Mal zurückblickte, um sich zu vergewissern, ob ich mit ihm auch Schritt halten konnte. Meinetwegen war es auch nicht notwendig, denn ich war umhin sorgsam darauf bedacht, ihn nicht aus den Augen zu verlieren, um nicht unversehens in eine dieser Fallen zu geraten, welche ich auch in dem Gang vermutete durch den Randir mich führte. Auch wenn ich mich in den Geheimgängen nicht auskannte, so war mir nicht verborgen geblieben, dass jener Gang, durch dem ich ihm folgte, ein völlig anderer war, als der, durch den Umah mich zum Versteck gebracht hatte. Mein Gedanke an die Fallen ließ mich plötzlich stutzig werden, denn nicht einen Augenblick lang hatte ich sehen können, dass Randirs Hände die steinigen Wände links und rechts von uns abgetastet hatten, um diese von mir hier vermuteten Fallen zu deaktivieren, und irgendwie fehlte mir dieses leise metallische Klacken, das die Inaktivität der Fallen bestätigte und die eisige Stille zwischen Randir und mir wenigstens für einige Sekunden unterbrochen hätte. Verwundert über die Feststellung dieser fehlenden Geräuschkulisse blieb ich stehen und wandte mich um. Nachdenklich blickte ich einige Augenblicke den bisher zurückgelegten Weg zurück und schlussfolgerte letzten Endes, dass die Fallen nur dann ausgelöst worden, wenn ein ungebetener Gast es wagen sollte von Draußen in das Versteck einzudringen. In die entgegengesetzte Richtung, also aus dem Versteck heraus, bestand demzufolge keine Gefahr für Leib und Leben, und daher war es nicht notwendig, die Fallen abzustellen.
Plötzlich wurde ich von der unbändigen Neugier gepackt, herauszufinden, ob ich mit meiner Vermutung richtig lag, und ohne weiter darüber nachzudenken was es für Konsequenzen für mich haben könnte, ging ich den Weg durch den Gang langsam zurück. Behutsam tastete ich dabei die Wände an beiden Seiten ab, in der Annahme die verborgenen Mechanismen zu finden, welche die Fallen außer Gefecht setzen würden, aber ich konnte nichts dergleichen ausmachen. ‚Vielleicht habe ich mich doch geirrt und in diesem Gang gibt es gar keine Fallen.’, dachte ich, als bei meinem nächsten Schritt ein leises „Klack“ und kurz darauf ein ebenso leises Surren zu vernehmen war.
„Runter!“, schrie es im selben Augenblick hinter mir, und ich warf mich voller Panik zu Boden. Dabei ertönte ein leises Knacken, als würde jemand ein Stück Holz durchbrechen, und kurz danach durchzog ein brennender Schmerz meine linke Schulter.

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 2. Juni 2006, 00:45 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
Verflucht, was immer ich da ausgelöst hatte, es hatte mich erwischt, und wenn ich damit meinem Unleben ein Ende gesetzt hatte, geschah mir das nur zu Recht. Verdammte Neugier aber auch. Schon konnte ich den eisigen Atem des Todes in meinen Nacken spüren und seine ebenso kalte Hand, die mich am Kragen packte, hochzog und dabei fluchte: „Verdammt Faustus! Bist du noch ganz bei Trost? Was hast du dir nur dabei gedacht?“
Unsanft wurde ich danach herumgedreht und bekam so die Möglichkeit dem Tod ins Antlitz zu starren, dass eine gewisse Ähnlichkeit mit dem eines mir bekannten Vampirs aufwies.
„Was ist?“, wollte Randir wissen, den ich anstarrte, als sehe ich ihn zum ersten Mal, und umfasste dabei mit seiner Rechten das Stück des abgebrochenen Pfeils, das noch in meiner Schulter steckte.
„Nichts.“, entgegnete ich ihm und unterdrückte kurz darauf einen Schmerzensschrei, als er die Pfeilspitze mit einem heftigen Ruck aus meinem Körper zog. „Verdammt geht das vielleicht auch behutsamer?“
„Nein.“, meinte er nur und hielt mir anschließend die blutverschmierte Pfeilspitze vor Augen. „Du kannst dich glücklich schätzen, dass du kein Mensch mehr bist.“
Verwundert blickte ich ihn an und winkte dann ab: „Dann wäre das auch nur ein Kratzer…“
„Die Spitze ist vergiftet.“, unterbrach er mich und warf sie hinter sich weg. „Aber keine Sorge. Das Gift hat nur eine lähmende Wirkung. Nach einer Weile wirst du deinen Arm wieder gebrauchen können.“
„Wie nett.“, entgegnete ich und spürte bereits die Taubheit, die meinen linken Arm durchzog, „Und was bedeutet ‚Eine Weile’?“
Randir zuckte mit den Schultern, dann drehte er sich um und ging wieder voraus. Langsam folgte ich ihm und dabei mir fiel ein, dass er vorhin noch wissen wollte, was ich mir bei meinem meisterhaften Bravourstück gedacht hatte und rief ihm zu: „Ich wollte nur wissen, ob es hier auch Fallen gibt!“
Abrupt blieb er stehen, ich ebenso, und schüttelte den Kopf. Dann sah er verärgert zu mir zurück: „Das hättest du mich auch fragen können.“
Jetzt wurde ich ärgerlich.
„Ach ja?“, knurrte ich, „Wie denn, wenn der werte Herr nicht mit mir redet?“
„Warum sollte ich auch?“, gab er zurück und blickte wieder stur nach vorne.
In mir fing es an zu brodeln, und dass es Randir augenscheinlich genauso ging, erkannte ich an seiner rechten Hand, die er langsam zur Faust ballte. Auch nahm ich ein leichtes Zittern seines Körpers wahr, und jäh fiel mir ein, dass er damals, bevor sich unsere Wege endgültig trennten, recht große Schwierigkeiten hatte, seine Wut unter Kontrolle zu halten. Wenn er immer noch damit zu kämpfen hatte und im nächsten Augenblick die Kontrolle verlor und mich angriff, dann hatte ich verdammt schlechte Karten. Zum einen war ich durch meinen noch tauben Arm ziemlich eingeschränkt, und zum anderen nicht in der Lage, einen vor Wut rasenden Vampir aufzuhalten. Wo zum Henker war Vorador, wenn man ihn brauchte?
Gebannt starrte ich auf Randir und bereitete mich innerlich bereits auf ein erneutes bevorstehendes Ende meines Unlebens vor, als ich die feinen Blutrinnsale gewahrte, die an den Fingern seiner rechten Hand entlang liefen und kleine Tropfen bildend dem Boden unter unseren Füßen entgegenstrebten. Bei allen dunklen Göttern, er verletzte sich selbst und mir war sofort bewusst, warum er es tat. Nur so, durch den Schmerz, den er sich selbst zufügte, und um sich anschließend auf das Heilen der Wunden zu konzentrieren, verhinderte er, dass die Wut seinen Verstand beherrschte.
Still beobachtete ich ihn weiter, und erst als ich sah, wie er sich wieder entspannte und seine Faust öffnete, sprach ich ihn an: „Du wirst mir jetzt wahrscheinlich nicht glauben, aber gerade habe ich eine Gemeinsamkeit zwischen uns beiden entdeckt, über die zu sprechen, wir nie die Gelegenheit hatten und...“
„Wie bitte?“, unterbrach er mich barsch, wandte sich dabei abrupt zu mir um und blickte mich feindselig an. „Wir zwei haben was gemein? Mit Sicherheit nicht.“

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 2. Juni 2006, 00:47 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
„Mit Sicherheit doch.“, widersprach ich energisch und ehe er darauf eingehen konnte, hob ich meine rechte behandschuhte Hand, ergriff mit den Zähnen das Leder an den Fingerspitzen und zog so den Handschuh herunter. Dann streckte ich ihm meine Handfläche entgegen, und da es äußerst schwierig war, mit einem Handschuh im Mund zu reden, sprach ich mittels des vampirischen Flüsterns weiter mit ihm: ‚Schau hin. Schau genau hin.’
Er zögerte kurz, dann jedoch trat er an mich heran, ergriff meine Hand und betrachtete sie misstrauisch. Einen Moment später gab er wieder dieses verächtliche Schnaufen von sich, wie ich es schon einmal bei Vorador zu hören bekam, und blickte mich wieder an. Eiskalt. Und meine Hoffnung, dass wir uns endlich vernünftig unterhalten könnten, nachdem was ich ihm gerade gezeigt hatte, schwand allmählich dahin und verebbte schließlich ganz, als er spöttisch von sich gab: „Jetzt versteh ich endlich, warum du ständig diese Handschuhe trägst. Nicht etwa, weil es, wie ich bisher immer annahm, „schick“ ist, sondern nur, um diese kaum sichtbaren Narben zu verdecken. Du bist aber kein bisschen eitel, oder?“
Jetzt gab ich ein Schnaufen von mir, jedoch mehr ein verärgertes und zog ruppig meine Hand aus seiner. Dann nahm ich den Handschuh aus meinem Mund und entgegnete trotzig: „Ich bin nicht eitel.“
„Nein, überhaupt nicht.“, lachte er, kehrte er mir wieder den Rücken zu und forderte mich danach auf, ihm weiter zu folgen. Ich empfand in diesem Augenblick große Lust ihm die Nägel meiner jetzt freien Hand in seinen Rücken zu schlagen, anstatt ihm weiter brav und schweigend hinterher zu laufen. Aber letztendlich ließ ich es bei diesem Gedanken, und als er bereits wieder einige Schritte vorausgegangen war, folgte ich ihm.
Irgendwann erreichten wir eine steinerne Mauer vor uns, die uns den weiteren Weg versperrte und erst hier begann Randir die Steine abzutasten. Als ich genau hinsah konnte ich auf einem der Mauersteine ein nur für Vampire erkennbares Zeichen erkennen, auf das Randir jetzt seine rechte Hand legte und dagegen drückte. Einen Lidschlag später begann sich die Mauer zu bewegen und gab einen Spalt frei, durch den ein Einzelner bequem hindurchschlüpfen konnte. Durch die schmale Öffnung selbst drang das Halbdunkel der Nacht und ein Geruch von Wasser und Wald. Randir schlüpfte jetzt durch die Öffnung, und als er draußen war tat ich es ihm nach. Ich hatte es kaum geschafft, als der Spalt sich schon wieder zu schließen begann und geriet in Panik, darin hängen zu bleiben. So gab ich mir einen kräftigen Ruck, der mich regelrecht nach draußen katapultierte, stolperte dabei über meine Füße und drohte vornüber zu kippen. Direkt in den Wassergraben, der sich vor mir auftat. Voller Schrecken schrie ich leise auf und sah mich schon unweigerlich dort hinein stürzen, als mich Randir an der Schulter packte und hart gegen die nun wieder geschlossene Mauer drückte.
„Du solltest wirklich besser aufpassen, wo du hintrittst.“, äußerte er und warf einen kurzen Blick zum Graben. „Oder hast du etwa das Bedürfnis zu erfahren, wie es ist da drin festzustecken?“
„Nicht wirklich.“, flüsterte ich und dachte dabei, dass er mir mit Sicherheit liebend gerne einen kleinen Schubs extra in Richtung Graben gegeben hätte, anstatt mich vor dem schrecklichen Nass zu retten, wenn da nicht die Anweisung Voradors wäre, die bedeutete, dass wir gemeinsam ins Versteck zurückzukehren hatten. Randir blickte mich schweigend an, und ich ahnte, dass er gerade meine Gedanken gelesen hatte, dann schüttelte er den Kopf und erwiderte diese ernst: „Nein, daran habe ich nicht einen Augenblick lang gedacht.“, er hielt inne, dann legte sich ein schelmisches Grinsen über sein Gesicht, „Aber, wenn du wirklich wissen willst wie es da unten ist, dann hole ich das gerne irgendwann nach."

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 23. Juni 2006, 21:08 
User
Benutzeravatar

Registriert: 12. Mai 2004, 08:26
Beiträge: 515
Wohnort: " Beim Anblick des Engels wird ihn der Wahnsinn ergreifen. "
ich m7uss sagen als ich angefangen hatte zulesen konnte ich gar nicht mehr aufhören echt voll spanend.
Darf ich fragen warum du Faustus als Charakter ausgewählt hast?

_________________
Beim Anblick des Engels wird ihn der Wahnsinn ergreifen.


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 23. Juni 2006, 23:04 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
Danke [23]
Warum ich ihn gewählt hab? Ich mag ihn halt^^ und von den drei Verräter-Vamps ist er noch der schnuckligste *g* *vor allem dieses lange schwarze Haar *schwärm*

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 24. Juni 2006, 21:24 
User
Benutzeravatar

Registriert: 12. Mai 2004, 08:26
Beiträge: 515
Wohnort: " Beim Anblick des Engels wird ihn der Wahnsinn ergreifen. "
Da hast du allerdings recht^^

_________________
Beim Anblick des Engels wird ihn der Wahnsinn ergreifen.


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 14. August 2006, 11:44 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
„Wenn es soweit ist, werde ich dich daran erinnern.“, erwiderte ich trocken, schüttelte seine Hand von meiner Schulter, die ich, wie ich erfreut feststellte wieder spüren und bewegen konnte, und wandte meinen Blick von ihm ab nach rechts. In einiger Entfernung von uns konnte ich dort eine Brücke ausmachen, die über den Wassergraben führte und die andere Seite mit dem südlichen Tor der Stadtmauer verband, an der wir uns befanden. Gleichfalls nahm ich auch das grüne Leuchten wahr, das vom Stadttor ausging und von der Glyphenenergie herrührte, die uns Vampire den Zutritt in die Stadt verwehrte. Aber hätte Randir in die Stadt gewollt, wären wir sicher einen anderen Weg gegangen, als den, der durch das Innere der Mauer nach Draußen führte.
„Wie geht es deinem Arm?“, fragte Randir jetzt.
„Besser.“, entgegnete ich ihm und sah ihn wieder an. „Aber das hast du doch sicher schon in meinen Gedanken gelesen. Es sei denn, dass du darin, statt dem, immer noch nach Dingen suchst, die nicht mehr existieren.“
„Ich lese nicht ständig deine Gedanken“, murrte er, „nur, wenn ich es für wichtig halte. Aber, wenn es dir nicht passt, dann kannst sie auch gerne vor mir verschließen…“
„Ach, und nachher wirfst du mir dann vor, ich hätte etwas vor dir zu verbergen.“, gab ich verärgert zurück.
„Und, hast du?“, wollte er wissen und klang gleichfalls verärgert. Ich blickte über den Graben hinweg, der in etwa so breit war, wie drei übereinander stehende ausgewachsene Männer lang waren und schüttelte den Kopf.
„Nein, das habe ich nicht.“, sagte ich einen Lidschlag später, dann begann ich meine inneren Kräfte zu sammeln, spannte meinen Körper, lockerte ihn wieder, stieß mich ab und setzte mit einem Sprung über den Graben hinweg. Auf der anderen Seite angekommen zitterten mir derart die Beine, dass ich mit ihnen einknickte und auf das rechte Knie fiel. Neben mir setzte Randir auf und scheuchte dabei vier Raben auf, die sich ganz in unserer Nähe befanden und nun leise krächzend davonflogen. Voradors Späher waren überall. Ich dachte gerade darüber nach, ob der alte Vampir sie wegen mir, oder doch eher wegen Randir ausgeschickt hatte, als dieser mich anfuhr: „Verdammt, was war das jetzt wieder für eine Aktion? Soweit mir Vorador vermittelt hat, hast du Schwierigkeiten mit deiner Sprungkraft. Was, wenn das eben schief gegangen wäre?“
Ich blickte zu Boden und konnte momentan selbst noch nicht fassen, dass ich tatsächlich diesen Sprung gewagt hatte. Wenn es, wie mein Versuch im Kesselraum, nur ein normaler menschlicher Sprung gewesen wäre, würde ich jetzt im Graben liegen und elendig in dem ätzenden Wasser verbrennen. Aber, es war kein normaler Sprung gewesen, sondern einer, wie ihn jeder Vampir innehatte. Und die Klarheit darüber, dass meine vampirischen Fähigkeiten wieder an Stärke gewannen und ich vielleicht irgendwann auch meine dunkle Gabe wieder erlangen würde, ließ alle Unsicherheit und Furcht, die seit meinem Erwachen Besitz von mir ergriffen hatte, von mir abfallen und verschwinden, als hätte es diese Dinge nie gegeben. Lachend erhob ich mich jetzt, klopfte den Staub von meinen Hosen und blickte zum Graben hinter mir zurück.
„Ist es aber nicht.“, sagte ich, immer noch lachend, und streifte mir den zuvor ausgezogenen Handschuh wieder über. Dann griff ich Randirs vorherigen Vorschlag auf und verschloss meine Gedanken. „Ist es aber nicht.“, wiederholte ich noch einmal und grinste ihn an.
„Fein, wie dich das amüsiert.“, knurrte er und drehte sich um. „Na ja, wenigstens haben wir uns so einen Umweg an der Mauer entlang gespart.“
„Einen Umweg?“, fragte ich neugierig, worauf er nickte und, ohne sich zu mir umzudrehen, seine Hand nach links ausstreckte.
„Ein Stück weiter in diese Richtung wird der Graben schmaler und sogar ein Mensch ist dann in der Lage, ihn an dieser Stelle zu überwinden.“, erklärte er. „Aber nur, wenn er eine gute Sprungkraft besitzt.“
Ich blickte kurz in die Richtung und dann wieder auf ihn: „Diesen Umweg haben wir uns ja nun gespart, wie du bereits erwähnt hast. Also, wo geht es jetzt hin?“
Schweigend wies seine Hand auf meine Frage hin nach vorne, zu einem kleinen Wäldchen in den auch die Straße vom Stadttor hineinführte. Nachdenklich zog ich eine Augenbraue nach oben.
„Und was wollen wir da?“
„Das wirst du dann schon sehen.“, meinte er und lief los.

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 14. August 2006, 11:45 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
Oh er tat es schon wieder. Rannte mir voraus, ohne darauf zu achten, ob ich ihm überhaupt folgte. Glaubte er etwa ich sei ein Hund, der bedingungslos seinem Herrn folgt und winselnd um einen Brocken Fleisch bettelt? Verärgert warf ich einen Blick zur Stadt zurück, als aus dieser, wie zum Hohn, Hundegebell an meine Ohren drang. Dann legte ich einen Schritt zu und lief so direkt neben Randir weiter.
„Darf ich dich was fragen?“, erkundigte ich mich und er nickte.
„Als du vorhin die schmale Stelle des Grabens erwähnt hast und davon sprachst, dass ein Mensch sie überwinden könnte, beschlich mich das Gefühl, dass du solch einen kennst. Ist dem so?“
Wieder nickte er: „Ja, ich kannte einen.“, dann schaute er mich an, „Du hast ihn übrigens auch gekannt.“
„Ach ja?“, fragte ich erstaunt. „Und wen…?“
„Thorben.“
„Thorben?“ Fragend blickte ich ihn an und begann in meinem Gedächtnis nach diesem Namen sowie einem Gesicht zu suchen, dem ich diesen zuordnen konnte. Dann, als ich beides fand, blieb ich abrupt stehen und stieß überrascht aus: „Du meinst den Serafanhauptmann? Magnus Bruder? Der den ich…“ Ich hielt inne, überlegte kurz und fuhr dann grinsend fort, „Dann hat er die Sache also überlebt. Verdammt hartnäckig dieser Kerl…“
„Er hat es nur überlebt, weil meine Männer ihn damals gefunden haben und Vorador ihn aus dem Zustand, in den du ihn gebracht hast, wieder ins Leben zurückgeholt hat.“, meinte Randir jetzt, der gleichfalls stehen geblieben war und mich aus funkelnden Augen anblickte. „Hast du es oft getan?“
„Was?“, fragte ich verwundert und mit einem Satz stand er direkt vor mir.
„Jemanden an die Grenze zwischen Leben und Tod gebracht?“, zischte er, „Bereitet dir das großes Vergnügen? Genießt du es?“
„Hey, nun mach mal langsam!“, rief ich aus, „Es war immerhin nicht meine Idee gewesen...“
„Jaja, ich weiß, Marcus war daran schuld und du nicht ganz bei Sinnen.“, unterbrach er mich und drückte jäh mit der flachen Hand kräftig gegen die linke Seite meines Bauches. „Hier hat dich Thorben damals erwischt, nicht wahr? Tut es noch weh?“
„Laß das.“, knurrte ich und wollte seine Hand wegschlagen, die auf jener Stelle ruhte an der mich damals der Dolch des Serafan getroffen hatte, bevor dieser zusammenbrach, aber Randir reagierte schneller und zog sie rasch von selbst zurück, so dass meine Hand ins Leere ging. Lachend trat er einen Schritt zurück: „Ja, er war sehr hartnäckig und obendrein schwer davon abzubringen, sich aufzumachen, um nach dir zu suchen und dir die Kehle aufzuschlitzen.“
„Ich denke nicht, dass er das geschafft hätte…“
„Mit meiner Hilfe schon.“, unterbrach er mich schroff und ging weiter.
Ich ignorierte sein Letztgesagtes, gesellte mich wieder an seine Seite und äußerte: „Mir scheint, ihr zwei wart nach seiner Wiederbelebung die besten Freunde."
„Ja, das waren wir.“, erwiderte er, schenkte mir einen frostigen Blick und fuhr ebenso fort, „Aber da Menschen für dich eh nur Nahrung sind, bezweifel ich, dass du das jemals verstehen wirst.“
Wieder eine Spitze seinerseits, mit der er mich wohl zu treffen suchte, aber das ging daneben, da er damit vollkommen recht hatte, denn ich würde mich niemals mit einem Menschen anfreunden und schon gar nicht mit einem Serafan. Aber das Randir mit diesem Hauptmann eine feste Freundschaft verband, oder besser gesagt verbunden hatte, denn das alles war schon an die 200 Jahre her, fand ich schon recht interessant und es machte mich neugierig, noch einiges mehr darüber zu erfahren. So ging ich auf sein eben Gesagtes nicht weiter ein und fragte stattdessen: „Hat er mit euch im Versteck gelebt?“
„Ja.“
„Interessant, aber war das nicht ein Spiel mit dem Feuer? Ein Mensch unter Vampiren? Oder warst du ständig in seiner Nähe und hast ihn vor den anderen beschützt, wenn sie ihre hungrigen Blicke auf ihn warfen?“
„Er war in Sicherheit.“, entgegnete Randir ohne weiter auf meine Frage einzugehen und wies jetzt auf einen in den Wald hineinführenden Pfad, den wir in diesem Moment erreicht hatten. „Da lang.“
Er betrat den Pfad und ich folgte ihm. Meine Neugier, was den Serafan betraf, war aber noch nicht gestillt und so fragte ich einen Augenblick später: „Ist er einer von uns geworden?“
„Wer?“
„Na dein Hauptmann.“
Auf meine Antwort hin, schwieg Randir einen Moment und entgegnete dann: „Nein, er wollte es nie.“
„Du hast es ihm also angeboten?“
„Wir haben ein einziges Mal darüber gesprochen, kurz bevor...“, er hielt inne, ergriff einige Zweige, die von einem der nebenstehenden Bäume über den Pfad ragten und bog sie vor sich zur Seite.
„Bevor was?“, hakte ich ungeduldig nach, als er jäh die Zweige losließ und mir diese entgegenpeitschten. Schützend riß ich mir die Arme vors Gesicht und sprang mit einem ärgerlichen Aufschrei nach hinten: „Das hast du doch gerade mit Absicht gemacht!“

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
 Betreff des Beitrags: Faustus - Rückkehr ins Leben
BeitragVerfasst: 14. August 2006, 11:47 
User
Benutzeravatar

Registriert: 1. August 2002, 23:53
Beiträge: 3156
Lachend drehte er sich zu mir um: „Anstatt mich mit deiner Fragerei zu nerven, solltest du wohl mehr auf den Weg achten.“
„Danke für diesen von dir wohl überaus gutgemeinten Ratschlag.“, knurrte ich und hatte gut Lust ihm an die Gurgel zu springen. „Aber es würde mich freuen, wenn du mir das nächste Mal auf freundlichere Art zu verstehen gibst, dass ich dich nerve.“
„Was dich betrifft, war das schon freundlich.“, grinste er, drehte auf dem Absatz herum, setzte zu einem Sprung an und war plötzlich im Schatten des Waldes verschwunden.
„Hey, was soll das?“, rief ich in die Dunkelheit hinein, erhielt aber keine Antwort. Abgesehen von dem Ruf eines Käuzchens ganz in meiner Nähe, wenn man das als Antwort gelten ließ.
„Verdammt Randir, was soll dieses Spielchen?“, zischte ich in die Finsternis hinein, doch blieb es dort weiterhin still und so beschloss ich, den Rest des Weges alleine weiter zu gehen. ‚Wer braucht dich schon? Ich ganz bestimmt nicht. Von mir aus kannst du bleiben, wo der Pfeffer wächst.’, dachte ich verärgert, griff, wie zuvor Randir, vor mir in die Zweige hinein, um sie zur Seite zu biegen und erstarrte in meiner Bewegung, als es jäh hinter mir flüsterte: „Kurz bevor er das Versteck für immer verließ.“
„Was?“, erschrocken wirbelte ich herum, um letzten Endes in das amüsierte Gesicht Randirs zu starren.
„Habe ich dich etwa erschreckt?“, grinste er und hob mahnend den Zeigefinger. „Habe ich dir vorhin nicht erst gesagt, dass du mehr auf den Weg achten solltest?“
Wütend packte ich sein erhobenes Handgelenk und zischte: „Ich könnte…“
„Was denn? Etwa mir den Hals umdrehen?“, unterbrach er mich lachend.
„Ja, zum Beispiel das.“
„Tut mir ja wirklich leid, dass meine Fähigkeiten, die deinen in hohem Maße übertreffen, aber,“, sein Grinsen wurde noch breiter, „du hättest eben dein Gesicht sehen sollen, das war zu köstlich. Und jetzt,“, er hielt inne und wies mit einem ernsten Kopfnicken auf meine Hand, die sein Gelenk immer noch fest umklammert hielt, „lass mich bitte wieder los.“
„Weißt du was Randir? Mir reicht es jetzt langsam.“, entgegnete ich, statt seiner Bitte nachzukommen, „All deine Sticheleien und Anfeindungen. Hör endlich auf damit. Es ist genug.“
„Ich habe noch gar nicht richtig angefangen.“, knurrte er, packte jetzt seinerseits mein Handgelenk und drückte zu. „Soll ich dir die Knochen brechen?“
„Versuch es doch…!“
„Ach ja, und dann? Rennst du dann zu Vorador und beklagst dich darüber, wie schlecht ich doch zu dir bin?“, sein Griff wurde noch fester, „Oder zieht es dich eher zu deinem Lord zurück? Sag an, wärst du jetzt gerne bei ihm, um vor ihm im Staub zu…“
Weiter kam er nicht, denn in diesem Moment traf ihn meine geballte rechte Faust mitten ins Gesicht. Mit einem erstaunten Ausruf ließ er mich los und taumelte zurück. Dann wischte er sich das Blut weg, das ihm aus der Nase lief und blickte eine Weile stumm auf seine Hand. „Autsch, das hat wehgetan.“, meinte er schließlich, der Spott, der dabei in seinen Worten lag, war nicht zu überhören und schaute zu mir hinüber. „Gut, jetzt bin ich dran.“
Ich ging in Verteidigungsposition, war bereit für seinen Gegenangriff, aber er ließ sich noch etwas Zeit damit. Vorerst löste er seinen Gürtel, an dem sein Schwert befestigt war und warf diesen neben sich zu Boden. Von dieser Handlung abgelenkt, bemerkte ich seinen Angriff erst, als es bereits zu spät war. Er sprang mich an, schlug mir die Beine weg und ich stürzte rücklings nieder. Gleich darauf saß er über mir, drückte seine Hände gegen meine Schultern und hielt mich so am Boden fest.
„Komm, gib freiwillig auf, du wirst eh verlieren.“, höhnte er.
„Niemals.“, zischte ich, nahm all meine Kraft zusammen, riß meine Arme hoch und packte ihn mit den Händen am Hals. Dann drückte ich fest zu. Randir reagierte sofort und ergriff meine Handgelenke, um meinen Griff wieder zu lösen. Derweil drehte ich mich zur Seite und soweit herum, dass ich letzten Endes triumphierend über ihm saß.
„Na, wer von uns beiden verliert jetzt?“
„Schon gut.“, röchelte er. „Ich gebe auf. Du hast gewonnen.“
Misstrauisch beäugte ich ihn. So ganz glauben konnte ich ihm zwar nicht, lockerte aber dennoch meinen Griff und entspannte mich etwas. Ein fataler Fehler meinerseits, wie ich einen Lidschlag später feststellen musste, denn mein gelockerter Griff ermöglichte es ihm, meine Hände gänzlich von seinem Hals zu befreien und mich von sich herunter zu stoßen. Ich fiel nach hinten und er sprang auf. Bevor ich gleichfalls wieder auf die Beine kam, war er schon bei mir packte mich am Kragen, zog mich hoch und versetzte mir gleich darauf einen gewaltigen Hieb in den Magen, der mich ins angrenzende Gebüsch schleuderte. Mein Fall schreckte dabei einige Waldmäuse auf, die aufgeregt fiepend davon stoben und sich nun leider ein neues Nachtlager suchen mussten.
„Und, hast du schon genug?“, tönte mir Randirs Stimme entgegen, der jetzt zu seinem Gürtel schritt und sich niederbeugte, um ihn wieder aufzuheben.

_________________
Bild

http://ladynightvamp.deviantart.com/


Nach oben
 OfflineProfil  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 37 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron

Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007, 2010 phpBB Group
Style by Daniel St. Jules and Sarkana
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de